54.Tag: Mont Ventoux
Heute sind wir schon früh auf den Beinen. Wir haben zwar sehr gut
geschlafen aber das kleine Reisefieber hat uns wahrscheinlich aus dem
Bett geworfen. Viel zu tun gabs ja eh nicht.
Das meiste ist schon gepackt und
der Rest ist schnell eingesammelt. Ein letztes Mal zum Bäcker und ein
reduziertes Frühstück und schon war man reisefertig. Die Front- und
Seitenscheiben musste ich allerdings erst vom Saharasand befreien. Mit etwas
Wehmut verabschiedeten wir uns von unsren winkenden Nachbarn. Unser Navi
stellte sofort eine verkehrliche Behinderung fest und führte uns über schmalen
und einsamen Weg auf die Hauptstraße zurück. Wir hatten ein festes Ziel vor
Augen.
Der Mont Ventoux sollte unser Opfer werden. Dem heiligen Berg der
französischen Radfahrer wollten wir unsere Aufwartung machen. Und je näher wir
dem 1909 m hohem Ziel kamen auf umso mehr Radfahrer musste man nun achten. So
ca.16 km vor dem Gipfel gings dann richtig los. Unglaublich viele Radfahrer und
Innen mühten sich den Berg hinauf. Die meisten waren Bioradler. Eine E-Bikerin
fuhr sogar mit ihrem Hundeanhänger in Richtung Ziel. Bei heftigem Gegenwind
mussten etliche eine kleine Fahrpause einlegen. Je höher wir kamen umso
trostloser wurde die Umgebung. Eine richtige Steinwüste machte sich vor unserem
Auge breit.
Den Gipfel vor Augen schafften wir mit größter Aufmerksamkeit auch
die letzten Meter. Der Wind blies oben so stark, dass Helga im Auto sitze blieb.
Ich zog noch schnell einen warmen dicken Pullover an und wagte mich aus dem Bus.
Mit Handy und Fotoapparat bewaffnet kämpfte ich mich zum Gipfel.
Dort oben herrschte
großer Betrieb. Die Radankömmlinge feierten ihren Sieg. Sie hatten es
geschafft. Und ein strahlendes Bild vorm Schild mit Passhöhe war das Ankunftszertifikat.
Derweil blies es mich schier vom Gipfel.
| neuer Platz |
Ich hatte alle Mühe die Apparate in den Händen zu halten. Fotografiert wurde nur auf Verdacht. Sehen konnte ich auf dem Display eh nichts. Nach einiger Zeit mühte ich mich zurück ins Auto und genoss die dortige Windstille.
![]() |
| Le Bourget du Lac |
Und die Außentemperatur von 14° war ja auch nicht so
lecker. Weiter ging die Fahrt an den Le Bourget du Lac. Wir fuhren wieder aufmerksam
auf der anderen Seite den Pass hinab. Auf etwas wärmerer Höhe gönnten wir uns
eine kleine Verschnaufpause. Wir hatten noch über 300 km zum Fahren. Der Berg
war halt ein Umweg. Aber der wars wert. Weiter gings in die Richtung Auvergne-Rhône-Alpes.
Vorbei an lila leuchtenden Lavendelfeldern und riesigen Weingütern führte uns Weg.
Das Navi meldete einen immer länger werdenden Stau. Aber es kam kein
Ausweichangebot. Entschlossen verließ ich die Autobahn und fuhr auf die Nationalstraße.
Eine total richtige Entscheidung. Bald hatten wir den unendlich langen Stau auf
dem Schirm.
Der hätte uns mindestens 2 Stunden gekostet- Glücklich der
Entscheidung fuhren wir ohne Behinderung den nahenden Bergen zu. Ein wunderschönes
Le Bourget du Lac nahm uns in Empfang. Nach insgesamt 404 km hatten wir unser
Ziel erreicht. Schnell wurde eingecheckt und aufgebaut. Mit schnellen Spaghetti
wurde der knurrende Magen ruhiggestellt. Danach gabs eine erste Platzrunde.
Alles machte einen guten Eindruck. Ich glaube, es kommen die nächsten
spannenden Tage.

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